Perspektiven auf soziales Engagement, heute: Erik für das „BleibGesundCamp“

Hier ist ein Bild der Teilnehmenden am BleibGesundCamp in Esslingen zu sehen. Verschiedene Gruppen von Menschen sitzen an Tischen.

Im letzten Interview erklärte Mohamed, wie der Verein MediNetz sich für eine Gesundheitsversorgung von Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung einsetzt. Auch diese Woche geht es um Gesundheit, allerdings aus einer anderen Perspektive. In diesem Interview erzählt Erik Hägele, einer der Organisatoren des BleibGesundCamps, was das Organisationsteam antreibt und motiviert. Das BleibGesundCamp ist eine ehrenamtlich organisierte, offene (Un)Konferenz, auch „Barcamp“ genannt, die seit vier Jahren in Esslingen stattfindet. Im Zentrum der Veranstaltung stehen Themen rund um das Gesund Erhalten und das Gesund Werden. 

Erik Hägele kenne ich bereits seit 2014. Er ist hauptberuflich als freier Versicherungsmakler unterwegs. Auf Barcamps teilt er seit vielen Jahren sein Wissen über Personenversicherungen und Social Media. „Was mir die Versicherung NICHT sagt“ war der erste Vortrag, die ich auf einem Barcamp bei ihm besuchte. Erik ist ein offener, fröhlicher und engagierter Geist. Für das BleibGesundCamp kümmert er sich um den Twitteraccount, die Partner der Konferenz sowie die Moderation. Heute beantwortet er mir einige Fragen zu seinem Engagement.

 

Lieber Erik, wer sind Deine Mitstreiter*innen und wie habt Ihr Euch zusammengefunden?

Meine lieben Orga-Kollegen sind Gabriele Fröhlich und Martin Rudolph.
Gaby ist Abteilungsleiterin für den Fachbereich Gesundheits- und Frauenbildung an der VHS Esslingen. Sie ist mit Herzblut dabei und unterstützt, wo sie nur kann. Dazu kommt tatkräftige Unterstützung durch Martin Rudolph. Martin ist Gründer und Inhaber von Harfner Communications und als Autor und Coach tätig. Beim BleibGesundCamp und auch vorab kümmert sich Martin hauptsächlich um die Pflege der Webseiteninhalte, um die Präsenz des Events bei Facebook und um die Moderation.

Ein Gespräch mit einer Mitarbeiterin über Barcamps 2012 hat bei Gaby etwas angestoßen. Sie überlegte sich, wie man eine solche offene Konferenz in Zusammenhang mit dem Thema Gesundheit bringen könnte. Und suchte den Kontakt zu Jan Theofel,  der seit 2008 u.a. das Barcamp Stuttgart leitet. Die Planungen begannen und 2013 wurde das BleibGesundCamp mit Unterstützung der VHS erstmals veranstaltet. Im Jahr 2014 und 2015 fanden dann weitere BleibGesundCamps statt, die Gaby und Jan gemeinsam organisierten. In diesen Jahren waren sowohl Martin als auch ich schon aktive Teilnehmer und fungierten als Helfer vor Ort und teilweise auch als Ansprechpartner. Als 2016 das BleibGesundCamp aus Zeitgründen ausfallen musste, boten Martin und ich unsere Hilfe an.
Gesundheit ist ein so wichtiges Thema, und jeder Einzelne kann seinen Beitrag für sich selbst leisten. Nur fehlt manchmal der Impuls. Genau diese Impulse möchten wir den Teilnehmenden mit auf den Weg geben.

 

Welches Publikum sprecht Ihr an, und wie ist die Veranstaltung geplant?

Alle, die etwas für sich und die eigene Gesundheit tun möchten und alle, die das Thema Gesundheit grundsätzlich interessiert. Wir schließen niemanden aus. Alle sind willkommen.
Die Veranstaltung beginnt mit einem Frühstück, bei dem die Teilnehmenden sich auch teilweise untereinander bereits kennenlernen können. Anschließend beginnt die Erklärung des Konferenzformats „Barcamp“ durch die Moderatoren. Danach startet die sogenannte „Sessionplanung“. Das kann so ablaufen, dass ein Teilnehmer eine Frage zum Thema Gesundheit hat und mit anderen diskutieren möchte. Oder ein Teilnehmer hat bereits vorab etwas vorbereitet und möchte einen Vortrag halten/ einen Workshop machen. Nach Vorstellung des Themas wird immer grob abgefragt, wer Interesse hat. Wenn eine gewisse Anzahl Interessenten da sind, so kommt diese Session zustande. Jede Session geht 45 Minuten. Danach sind 15 Minuten Zeit, den Raum zu wechseln für die darauf folgende Session und / oder um sich einen Kaffee zu nehmen. Es finden in der Regel mehrere Sessions parallel statt. Man hat die Qual der Wahl. 🙂

 

Was ist das Besondere an so einer Veranstaltung? 

Das Besondere ist, dass sich eine (zuvor) oft noch unbekannte Gruppe von Interessierten trifft, um an diesem Tag gemeinsam etwas dazuzulernen.

Sowohl, um eigenes Wissen und Können mit anderen zu teilen, als auch von anderen ganz neue Dinge zu erfahren. Bei dieser Art von Veranstaltung soll auf Augenhöhe kommuniziert werden, das heißt die Teilnehmenden duzen sich. Egal ob Direktor, leitender Angestellter, Student oder Schüler. Es wird versucht, die Veranstaltung für die Teilnehmenden möglichst kostengünstig zu halten. Die Tickets kosten in diesem Jahr zwischen 20 und 30 EUR plus Gebühr. Frühstück, Mittagessen und Getränke sind inklusive. Das geht natürlich nur, weil Sponsoren und Förderer das BleibGesundCamp unterstützen. An dieser Stelle möchten wir uns schon jetzt herzlich bei unseren Unterstützern bedanken. Ohne Euch wäre diese Veranstaltung so nicht möglich!

Ich persönlich liebe Barcamps und die offene Denkweise bei dieser Art der „Konferenz“. Man lernt unglaublich viel dazu und hat meistens noch viel Spaß dabei. Am BleibGesundCamp ist außerdem ganz besonders, dass der Veranstaltung im Jahr 2014 der „Health Angel“ beim Health Media Award verliehen wurde. Dies ist eine Auszeichnung für besonders gelungene Projekte im Gesundheitswesen. Eine tolle Anerkennung!


Was motiviert Euch, ein thematisch ausgerichtetes Barcamp zu veranstalten? Findet Ihr, diese Themen gehen gesellschaftlich noch zu sehr unter?

Wir halten das Thema Gesundheit für ein extrem wichtiges Thema, das oft erst dann in Angriff genommen wird, wenn es zu spät oder fast zu spät ist. Prävention ist ein Thema, aber auch das Finden von Lösungswegen, aus einer misslichen Lage wieder herauszukommen.  Das Thema Gesundheit ist bei anderen, thematisch offenen Barcamps nicht so präsent. Und viele andere „Gesundheitstage“ gehen zu sehr aktiv vom Anbieter aus. Wir aber möchten, dass die Teilnehmenden bestimmen, was an diesem Tag passiert.

Apropos Themen: Was zählt denn alles zu einem „BleibGesundCamp“?

In einem offenen Austausch lernen die Teilnehmenden voneinander die besten Methoden, um vorbeugend etwas für die eigene Gesundheit zu tun. Themen rund ums körperliche und seelische Wohlbefinden werden angesprochen. Aber auch das Gesundwerden ist ein wichtiges Thema, auch wenn der Name das nicht sofort widerspiegelt.
Die Themen sind sehr vielfältig und jedes Jahr aufs Neue interessant. In der Vergangenheit ging es unter anderen um Ernährung, ein gesundes Arbeitsumfeld, Entspannung, Burnout, Achtsamkeit im Alltag, um diverse Fitness-Apps, Meditation, Yoga, Qigong, Homöopathie, Organspende, Zähne und Gesundheit sowie Humor.


Wie viel Arbeitsaufwand neben Euren normalen Jobs ist die Ausrichtung der Veranstaltung?

Da dies für Martin und mich das erste selbst organisierte Barcamp ist, haben wir Jan als unseren Mentoren, der uns gerade in der Anfangszeit sehr unterstützt hat. Wir haben uns mittlerweile bereits vier Mal getroffen und auch anfangs gleich die Aufgaben aufgeteilt. Dazwischen gab und gibt es unzählige Emails und Telefonate.
Ich muss zugeben, ich habe den Aufwand unterschätzt. Es ist verdammt viel zu tun. Die Stunden kann und möchte ich gar nicht aufsummieren. Es gab auch schon eine Woche, in der ich fast nichts anderes getan habe als mich um das BleibGesundCamp zu kümmern. Wenn ich Vollzeit-Angestellter wäre, dann würde ich mehr Vorlaufzeit benötigen und wohl auch ein größeres Orga-Team, da man manche Dinge einfach nicht mal kurz „so nebenher“ machen kann.

 

Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Ein Barcamp zu betreuen kann ein ziemlicher Knochenjob sein. Und dann geschieht das alles auch noch ehrenamtlich. Was bringt Euch die Organisation für Euch persönlich?

Durch die eigene Organisation lernt man unglaublich viel dazu. Wir werden mit Problemen konfrontiert, von deren Existenz wir vorher nichts ahnten.

Damit muss man dann umgehen können, und lernen, Problemlöser zu sein. Darüber hinaus macht es Spaß, im Team zu arbeiten und gemeinsam etwas zu entwickeln. Die Motivation an sich ist, dass die Teilnehmenden davon profitieren sollen. Wir freuen uns, wenn alle nach einem hoffentlich erfolgreichen Tag abends mit einem Lächeln nach Hause gehen, mit neuer Motivation und dem Impuls, selbst etwas für die eigene Gesundheit auch zukünftig tun zu wollen. Und wenn sie danach auch noch positiv über die Veranstaltung berichten – egal in welcher Form- dann ist das für mich die Motivation, mein Engagement weiterzuführen und auszubauen. Menschen glücklich machen. Das ist es wohl.


Ehrenamtliche Arbeit für Andere braucht Engagement und auch eine gewisse unbeirrbare Liebe zu den Menschen. Ich erinnere mich da an eine hübsche Anekdote. Als wir das erste Barcamp in Heidelberg organisierten, mochtest Du die Farbe unseres angebotenen Barcamp-T-Shirts nicht – und äußertest das auch gleich mehrfach. 🙂 Tatsächlich erfahren auch ehrenamtlich Arbeitende häufig Kritik. Wie geht Ihr damit um?

Man kann es nie allen recht machen. Das ist ganz normal. Dieses Grün des T-Shirts erinnerte mich zu sehr an die Zeit in der Bundeswehr. Da war nicht alles schlecht, nein. Aber im Dienst von damals möchte ich so nicht mehr sein. 😉

Manche mögen denken, dass das BleibGesundCamp nur etwas für „Ökos“ ist, und sich dann gar nicht erst auf die Veranstaltung einlassen. Wir wollen niemanden von dem Format überzeugen, freuen uns aber über jeden, der einfach unvoreingenommen und offen für Neues teilnimmt. Sofern uns im Vorfeld allerdings Kritik bekannt wird, nehmen wir das natürlich ernst und besprechen untereinander, ob und inwieweit diese Kritik zu einer Änderung führen kann oder soll.


Hand aufs Herz: Möchtest Du die Welt retten? 

Ursprünglich wohl JA. Aber das habe ich mittlerweile aufgegeben.

Ich versuche ein kleines Stückchen dazu beizutragen, dass der Respekt, die Wertschätzung und der Umgang miteinander verbessert wird. 

Dass Menschen mit Menschen gemeinsam einen Schritt nach vorne kommen und sich gegenseitig unterstützen.

 

Eine kleine Orga, die viel bewegt und mit Sicherheit wieder ein erfolgreiches Camp auf die Beine stellen wird! Wenn jemand sich ähnlich engagieren möchte wie Ihr, was würdest Du diesem Menschen raten?

Finde „Gleichgesinnte“. Sei aktiv. Verstelle Dich nicht. Sei innovativ. Nimm Dir Zeit, so gut es geht.
Mit Anderen zusammen kann man großartige Dinge auf die Beine stellen.

 

Vielen Dank, lieber Erik, und alles Gute!

 

(Beitragsbild: BleibGesundCamp in Esslingen, Foto: Jan Theofel. Alle Rechte vorbehalten.)