Kapitalismus ist in seiner Grundidee nicht gerade sozial. Vermutlich war deshalb der Wunsch nach einem sozialen Unternehmen noch bis vor wenigen Jahren mit Befremden und Unverständnis verbunden. Was soll das auch sein, ein soziales Unternehmen, wenn im Kapitalismus der Wert durch den Markt bestimmt wird und nur stetiges Wachstum für Erfolg steht? Das Streben nach Gewinnmaximierung fördert die Ausbeutung – sowohl von Ressourcen als auch von Arbeitskräften. Entwicklungen der letzten Jahre, Probleme der Globalisierung und die digitalen Medien aber lassen die Verbraucher*innen kritischer werden. Großen Unternehmen wird heute stärker „auf die Finger geschaut“ als vor einigen Jahren. Eine bis vor kurzem noch freiwillige Selbstverpflichtung von Unternehmen, nachhaltig zu wirtschaften, kennen wir unter dem Stichwort „Corporate Social Responsibility“, kurz: CSR.

Während sich größere Unternehmen auf ihre gesamtgesellschaftliche Verantwortung zurückbesinnen, entwickeln kleine Initiativen neue Lösungen für globale Probleme oder gründen Start-Ups, die vom ersten Tag an nachhaltig wirtschaften. Einige Beispiele stelle ich hier vor. Die Menschen hinter diesen Projekten sind eine stetige Inspiration.

 

Manomama

Dass auch erfolgreiche Unternehmen sozial ausgerichtet sein können, zeigen in den letzten Jahren immer mehr Beispiele. Sina Trinkwalder hat in ihrem lesenswerten Buch Wunder muss man selber machen anschaulich beschrieben, wie das geht: Ein soziales, faires und erfolgreiches Unternehmen ins Leben zu rufen und zu führen. Sie spricht aus eigener Erfahrung, denn ihr Label Manomama produziert regionale Mode, die fair und ökologisch ist. Dabei gibt sie vielen Menschen einen Arbeitsplatz, die auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben.

Große Konzerne lassen sich mittlerweile von Sozialberatern bei der Entwicklung sozialer Geschäftsmodelle helfen. Und immer mehr Start-Ups achten neben ihrer Geschäftsidee auch auf faire Produktionsbedingungen und vernünftige Löhne. Nicht zu vergessen die unzähligen Non-Profit-Organisationen, die von vorne herein keinen Gewinn für ihre Mitarbeitenden anstreben. Es bewegt sich etwas in der kapitalistischen Welt …

Yunus Social Business

An der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und sozialem Engagement entstehen neue Unternehmens- und Arbeitsmodelle. Das soziale Unternehmen Yunus ist in diesem Zusammenhang unbedingt zu nennen. Nach dem Nobelpreisträger Mohammed Yunus benannt, vermittelt das Unternehmen mittlerweile weltweit zwischen kleinen Unternehmen mit sozialen Zwecken, „social businesses“, und Geldgebern aus der Wirtschaft. Zudem bietet das Team von Yunus Schulungen an, entwirft Businesspläne und berät die sozialen Unternehmen auf ihrem Weg.

Das Konzept soll für die Zukunftsfähigkeit des Kapitalismus sorgen. Bereits jetzt ist die Bilanz von Yunus beeindruckend.

Social Impact Architects

Suzanne Smith gründete die Firma Social Impact Architects im Jahr 2009. Auf einem TEDxEvent sprach sie über ihre Motivation, ein Unternehmen ins Leben zu rufen, das sozialen Initiativen mehr Gehör und Aufmerksamkeit verschafft. Ihr Konzept, die Außenkommunikation dieser sozialen Projekte zu verbessern, nannte sie „Social Impact Storytelling“. Ihr Ansatz leuchtete mir unmittelbar ein, denn er ist auch mein eigener: Dort, wo Menschen sich für andere einsetzen – für soziale Gerechtigkeit, eine inklusive Gesellschaft, eine bessere Welt – sammeln sich jede Menge Geschichten. Genau die Art von Geschichten, die unbedingt erzählt werden sollten. Aber in den Initiativen selbst hat kaum jemand Zeit dafür. Und so arbeiten die Social Impact Architects seit Jahren für verschiedene soziale Zwecke und Initiativen. Sie helfen bei der Außenkommunikation, aber auch beim Einwerben von Geldern, der Erstellung von Businessplänen oder bei der Organisationsstruktur.

Lokale Vereine, Initiativen, Projekte …

Keiner muss bis nach Texas und Haiti reisen oder in Augsburg vorbei schauen, um Menschen bei der Etablierung neuer sozialer Geschäftsmodelle zu beobachten. Ein wacher Spaziergang durch die eigene Stadt reicht, und man entdeckt überall Menschen, die auf Basis des Bestehenden neue Wege gehen möchten. Das eigene Umfeld ist voller Initiativen oder kleiner Projekte, in denen Wege gesucht werden, eine neue Solidargemeinschaft zu bilden. Ein Beispiel aus Mannheim: Hier wurde 2016 das kleine Lokal dankbar gegründet. In einem Innenhof im Quadrat G7 gibt es Getränke, einen einfachen Mittagstisch und eine warme, freundliche Atmosphäre. Was es nicht gibt, sind vorgeschriebene Preise. Alles kann individuell bezahlt werden. Wenn die dankbar einen Überschuss generiert, kommt der Erlös einem vorher bestimmten gemeinnützigen Zweck oder einer Kulturveranstaltung zugute. Und das ist nur ein aktuelles Beispiel unter vielen!

 

Bild: Valentin Bachem

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