karmajob ist eine Idee, eine Vision und ein Herzensprojekt. Wie es dazu kam, beschreibe ich auf dieser Seite.

 

Erst ausgebremst, dann auf den Kopf gestellt: Mein Weg in die Selbstständigkeit

Bereits während des Studiums engagierte ich mich ehrenamtlich. Nach meiner Promotion im Jahr 2014 arbeitete ich als Texterin in einem Unternehmen. Doch trotz vieler netter Kollegen und Chefs fehlte von Anfang an etwas, das ich nur in meinen Initiativen und sozialen Projekten fand. Also betrieb ich die ehrenamtliche Arbeit weiter, neben der Vollzeitstelle, zu der ich pendelte, neben meinen drei Kindern, die am Nachmittag meine Aufmerksamkeit und Hilfe einforderten. Ich begann, mich zu überarbeiten, um allen Teilen meines Lebens gerecht zu werden, und merkte es viel zu spät.

In den kommenden Monaten erkannte ich, dass mir in meinem bisherigen Arbeitsleben die für mich wichtigste Komponente gefehlt hatte: Das Gefühl, der Welt etwas Sinnvolles zu geben. Meine Talente dort einzusetzen, wo sie Menschen halfen. In meinem Kopf entstand eine Idee. Und ich stellte mir eine Frage, die ich mir bisher nicht gestellt hatte:

Was wäre, wenn ich mich künftig nicht mehr entscheiden müsste, ob ich nach meinen Idealen ehrenamtlich arbeite oder einen bezahlten Job gegen meine Überzeugungen annehme?

Wäre es möglich, ein Arbeitsmodell für mich zu etablieren, das beides verbindet? Und in das ich alle meine Talente und Erfahrungen einbringen könnte?

Die bezahlte Arbeit in sozialen Initiativen oder Vereinen ist überaus rar, und lediglich die großen gemeinnützigen Organisationen können die so zentrale Öffentlichkeitsarbeit finanzieren. Wenn die LebenshilfeBrot für die Welt oder Greenpeace Stellen ausschreiben, können sich die Personaler*innen vor Bewerbungen kaum retten. Woran liegt das?

Arbeit ist wichtig für uns. Wir identifizieren uns mit unserer Tätigkeit. Und viele von uns suchen in dieser Tätigkeit einen Sinn, der über die bloße monetäre Anerkennung hinaus geht. Als sinnstiftend empfinden wir Menschen oft die Arbeit für andere – das kann Familienarbeit sein, eine pflegerische Tätigkeit, die Arbeit mit Kindern. Oder die Arbeit in Ehrenämtern, der Einsatz für die sozial Schwächeren, für Menschen in emotionaler und physischer Not. Leider werden genau diese Tätigkeiten nur unzureichend vergütet und selten offiziell wertgeschätzt. Wer aber einmal erlebt, wie lohnend der Einsatz für andere ist, möchte nicht mehr darauf verzichten. Selbst wenn es finanziell schnell schwierig werden kann.

 

Beispiellose Unterstützung: Das Jahr 2015

Während unsere politischen Systeme 2015 überfordert zusahen, wie mehr und mehr Menschen die Flucht nach Europa antraten, erlebten wir etwas Unerwartetes: Ein Erwachen der Zivilgesellschaft. In Österreich, Deutschland, Slowenien, Griechenland, Ungarn und vielen anderen europäischen Ländern halfen die Menschen den Geflüchteten – an Bahnhöfen, in Erstaufnahmelagern, Einrichtungen, auf dem Mittelmeer. Um sie zu unterstützen, spendeten andere: Für Decken, Medikamente, Essen, Kinderbetreuung, Kleidung, Unterbringung. Wie sähe dieses Land, sähe Europa jetzt aus ohne die Hilfe so vieler? Seitdem suchen noch mehr Menschen als vorher eine Verbindung – zwischen der Arbeit, die sie leisten wollen, und einer alternativen Finanzierung, die ihren Lebensunterhalt sichert.

Aber nicht nur wir Arbeitnehmer*innen sind auf der Suche. Viele Unternehmen wollen sich heute engagieren. Sie erkennen ihre Rolle in der zukünftigen Gesellschaft, und sie nehmen ihre Verantwortung wahr. Auf diese Weise entstehen Einzellösungen, Kooperationen und Netzwerke. Und darüber hinaus: Anerkennung. Für die geleistete Arbeit der Menschen sowie für die unterstützenden Unternehmen.

 

Nach diesen Überlegungen stellte ich mir meine Frage noch einmal:

Ist es möglich, einer Arbeit nachzugehen, die sowohl den Lebensunterhalt sichert, als auch sozial und gemeinnützig ist?

Die Antwort, die ich mir selbst gab, ist ganz einfach. Und sehr schwierig:

Ja, es ist möglich. Sogar für alle Menschen, die auf diese Weise arbeiten wollen. Aber dafür brauchen wir ein neues Arbeitsmodell. Eines, das sich nach seiner Etablierung für die freiberufliche Tätigkeit eignet. Eines, das alle Gegebenheiten des Systems auf eine produktive Weise nutzt und das für alle Beteiligten einen Mehrwert bildet. Eine mögliche Zukunft des Arbeitens.

 

Ich bin mein erstes Versuchskaninchen.

 

Warum karmajob?

Der Begriff „Karma“ bezeichnet ein spirituelles Konzept und bedeutet aus dem Sanskrit übersetzt soviel wie Tat oder Wirken. Obwohl der Titel karmajob den spirituellen Aspekt nahelegt, ist das Prinzip, das dem Arbeitsmodell zugrunde liegt, ein ökonomisches: Es wird auch als „Prinzip der geteilten Verantwortung“ bezeichnet. Ich glaube, dass es möglich ist, so zu arbeiten und zu agieren, dass alle Seiten einen Vorteil davon haben. Und ich denke, dass wir in Zukunft Arbeitsmodelle benötigen werden, die Synthesen zwischen den Welten suchen. karmajob richtet den Blick auf gesellschaftliches Engagement in verschiedenen Bereichen und unterstützt Ideen, Projekte und Menschen im Bereich der Außenkommunikation. Gleichzeitig sucht karmajob alternative Vergütungsmöglichkeiten, zum Beispiel durch finanzierende Unternehmen. Diese treten nicht nur als Sponsoren auf, sondern als Partner, die ihrerseits einen Vorteil von der Kommunikation ihres Engagements haben. Aus den einzelnen Akteuren entsteht so ein Verbund, in dem Menschen, die gesamtgesellschaftliche Verantwortung übernehmen, von Menschen wie mir und von finanzierenden Unternehmen in ihren Aufgaben unterstützt werden. Das gute Karma gibt es dabei gratis.

 

Bild: Valentin Bachem

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